„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

— J. W. von Goethe

Pädagogik

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Unsere Pädagogik orientiert sich am anthroposophischen Menschenbild und geht auf die Lehren von Rudolf Steiner zurück. Wesentliches Merkmal dieses Menschenbildes ist die Vorstellung des Menschen in seiner Ganzheit aus Leib, Seele und Geist. Dieses Geistige wollen wir zur Entfaltung bringen und den sich entwickelnden Menschen darin zur Freiheit führen.

Wir orientieren uns im Jahreslauf an den Jahreszeiten, als Ausdruck des physischen Leibes der Erde, und an den christlichen Festen. Die Einrichtung steht dabei Menschen aus allen Konfessionen offen.

Wir verstehen Erziehung als die Kunst dem Kind Ängste zu nehmen und sie in Urvertrauen in und Ehrfurcht vor der Welt umzuwandeln.

„Was gelehrt und erzogen werden soll, das soll nur aus der Erkenntnis des werdenden Menschen und seiner individuellen Anlagen entnommen sein. Wahrhaftige Anthropologie soll die Grundlage der Erziehung und des Unterrichtes sein“ (1969, S.8).

Die Waldorfpädagogik ist in ihren Grundsätzen je an den Entwicklungsstufen und Lebensabschnitten des Menschen orientiert. In den ersten sieben Lebensjahren, vor dem Zahnwechsel, sind drei Prinzipien leitend: Vorbild und Nachahmung, Rhythmus und Wiederholung und Sinnespflege und Fantasieförderung.

 

Vorbild und Nachahmung (Selbsterziehung)

Wir gehen davon aus, dass das Kind bis zum Zahnwechsel einen Tätigkeits- und Bewegungsdrang hat, der das Kind dazu bringt, alles nachzuahmen, was in seiner Umgebung ist. Für das Kind ist alles, was ist, gut. Das Denken, Fühlen und Tun der Bezugspersonen wird unmittelbar nachgeahmt und hat Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes, welches in den ersten sieben Lebensjahren mit seinen Entwicklungskräften dabei ist, es sich in seinem leiblichen Haus einzurichten. Diese Kräfte wollen wir nicht durch zu frühe Beanspruchung des Kognitiv-intellektuellen abziehen.

Darin liegt eine wesentliche Forderung an die Menschen im Umfeld des Kindes zur Selbsterziehung, zur Arbeit an der inneren Haltung und zu authentischem, bewusstem und sinnvoll-nachvollziehbarem Tun.

Indem die _der Erzieher_in durchschaubaren und sinnhaften Tätigkeiten nachgeht, werden für die Kinder alltägliche Tätigkeiten erlebbar und dienen sowohl als Anregung für ihr eigenes Schaffen und Spielen, als auch zur Förderung von Feinmotorik, Selbstwirksamkeit, Persönlichkeits- und Handlungskompetenzen.

 

Rhythmus und Wiederholung

Wer weiß, was kommt, braucht keine Angst zu haben.“

 

Der Tag, die Woche, das Monat und letztendlich auch jedes Jahr folgen einem bestimmten sich wiederholendem Rhythmus. Das gibt dem Kind Sicherheit und nimmt ihm die Angst, die Welt zu entdecken und sie sich einzuverleiben. So kann Urvertrauen entstehen und dem Kind in seiner Wahrnehmung das Leben nachvollziehbar machen. Es ermöglicht ein Lernen und Begreifen, ohne dass dazu intellektuelles Belehren und somit eine Überforderung des Kindes nötig ist.

Der Jahresrhythmus, als Ausdruck des physischen Leibes der Erde, spricht das Kind besonders an und gibt Orientierung im Jahr. Deshalb orientieren wir uns am Jahreslauf und an den christlichen Festen – die Einrichtung steht dabei Menschen aus allen Konfessionen offen.

Der Jahreszeitentisch ist eines der Kernstücke des Gruppenraums. Er repräsentiert das jahreszeitliche Geschehen und die dazugehörigen Jahresfeste. Zur Erntezeit ist er üppig, im Winter wacht König Winter über die kahle Schneelandschaft und im Frühling gucken die Blumenkinder hervor. Das jahreszeitliche Geschehen ist den Kindern intuitiv zugänglich und verbindet es mit der Erde.

Wir verstehen Erziehung als die Kunst dem Kind Ängste zu nehmen und sie in Urvertrauen und in Ehrfurcht vor der Welt umzuwandeln.

 

Sinnespflege und Fantasieförderung

Die Sinne sind unsere Tore zur Welt. Im Waldofkindergarten sind besonders die vier Basissinne im Fokus der Sinnespflege: Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn. Ihre Pflege und Förderung hat Auswirkungen auf die spätere Entwicklung des Menschen und seine Verbindung zur Welt.

Die räumliche Gestaltung und die materielle Umgebung, sowie der wiederkehrende und vertraute Rhythmus und eine liebevolle Hingabe zum Kind, schaffen Geborgenheit und Urvertrauen. Nachvollziehbare und aus dem Zusammenhang erfahrbare Tätigkeiten regen die Kinder zu eigenem Tun an. Das wenig strukturierte Spielmaterial aus Naturmaterialien, wie Holz, Wolle, Schneckenhäuser und Baumwolltücher, ermöglicht differenzierte Sinneseindrücke und fördert die Fantasie des Kindes, denn es wird vom Kind selbst in der Fantasie erst zu dem gemacht, was es sein soll und es kann sich jederzeit verwandeln. Die Devise ist: je unstrukturierter und je weniger vorgefertigt, desto besser! Diese Fantasiekräfte sind – im Gegensatz zu intellektueller Belehrung – jene Kräfte, welche später zu den in der Schule nötigen Gedächtniskräften werden, also die Grundlage für eine gesunde kognitive Entwicklung.

 

Unser Jause kommt vom Hof

Gejausnet wird gemeinsam das, was zuvor zusammen frisch hergerichtet wurde. Jeder Tag der Woche hat seine bestimmte Mahlzeit.

Montag: Milchreis – Dienstag: Gerstenbrot – Mittwoch: Hirsebrei – Donnerstag: Brotbacktag – Freitag: Müsli.

Dieser Rhythmus gibt den Kindern Sicherheit und Orientierung im Wochenlauf. Das gemeinsame Essen ist ein Aspekt der Entwicklung von Sozialkompetenz und Gemeinschaftssinn.

Die Jause ist biologisch und z.T. mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft.

 

Der Tagesablauf: Ein Atemprozess

Der Kindergartentag beginnt zwischen 8 und halb 9 (es ist auch Betreuung ab 7Uhr möglich). In den ersten eineinhalb Stunden wird gespielt, gewerkelt, gemalt, geknetet, die Jause zubereitet – je nachdem, auf was jedes Kind für sich Lust hat. Dann kommen wir alle zusammen, gehen Händewaschen, spielen unsere Fingerspiele, singen unsere Lieder. Danach stärken wir uns an der Jause, die wir neben bzw. mit den Kindern vorbereitet haben. Gestärkt sind wir bereit hinaus zu gehen: die Ponys und die Hasen müssen versorgt werden, vielleicht auch Laub gerächt oder umgegraben. Es gibt immer was zu tun und viele Plätzchen zum Spielen! Am Ende des Vormittags finden wir wieder alle zusammen und verabschieden uns von einander: „Ade, ade wir woll’n jetzt gehen und morgen uns dann wieder sehn‘! Ade, ade, ade…“.

Der Tag ist ein Schwingen zwischen dem individuellen und dem gemeinschaftlichen; ein stetiges ein- und Ausatmen, das uns belebt!

 

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